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News - Archiv

Rennbericht Oschersleben 10.08.2010 - 21:49
Rennbericht R├Âsinger/Kolloch Oschersleben

Nach 6 w├Âchiger Pause ging es endlich wieder zum Rennen. Das erste German Sidecar Festival in Oschersleben sollte es sein. Mein Ex-Fahrer Ralph Bohnhorst hatte gerufen.
Mehr als 100 Teams verschiedener Gespann-Kategorien kamen. Es sollte ein voller Erfolg werden.
Wir fuhren bereits Mittwochabend los, trafen uns, schon fast traditionell, mit Freund und Sponsor David Baydar in der N├Ąhe von Limburg. Dann weiter, irgendwo schlafen und am Donnerstagmorgen die letzten 200km abspulen. Rein ins Fahrerlager, in aller Ruhe aufbauen und dann mit Bohni das erste Bier nehmen und den Verlauf der Veranstaltung absprechen. Neben dem eigentlichen Renneinsatz sind Konni und ich ja auch intensiv mit der Durchf├╝hrung und Organisation der Sidecar Trophy besch├Ąftigt. Von einander haben wir an solchen Wochenenden wenig, man sieht sich aber immer wenn Konni die Ergebnislisten verteilt.
Freies Training Freitagabend:
Im freien Training ging es f├╝r Andy und mich darum wieder den Rhythmus zu finden. Wir beide kennen Oschersleben, nur zusammen sind wir hier noch nicht gefahren.
Das Gespann hatte ja gerade den Halbjahres Check hinter sich, so waren keine technischen Probleme zu erwarten.
In diesem Training ruinierten wir uns den Vorderreifen nachhaltig, so dass wir uns f├╝r den Rest des Wochenendes einer h├Ąrteren Mischung zuwandten. Dies war mit Reifenpartner Herbert Br├╝nner so abgesprochen. Der Reifen kam genau zur richtigen Zeit.

Zeittraining 1 Samstagmorgen:
Ohne Probleme konnten wir gleich eine vern├╝nftige Zeit vorlegen die uns am Ende der Sitzung Platz 2 einbrachte. Bei gleichzeitig 29 Gespannen auf der Strecke war es nat├╝rlich schwierig eine freie Runde hinzu bekommen, aber man muss nur lange genug drau├čen bleiben, irgendwann klappt es dann.
Etwa zwei Runden vor Schluss riss uns dann der Gaszug. Ich habe wohl das: ÔÇ×Zieh mal ordentlich am KabelÔÇť von Andy zu w├Ârtlich genommen. Aber wir haben auch in solchen Situationen Gl├╝ck. Das Malheur passierte genau am Boxeneingang, ich fuhr direkt links raus, (armer Andy das kam sehr ├╝berraschend f├╝r ihn) und konnte mit dem Schwung bis fast vors Zelt rollen. Dann schnell den ÔÇ×CablemanÔÇť, wie ihn alle nennen, gerufen. Er hat uns noch w├Ąhrend des Fr├╝hst├╝cks einen neuen Gaszug gefertigt und eingebaut. So mit Teflon Seele und allen Schikanen. Danke f├╝r den schnellen Service von hier in die Schweiz.

Zeittraining 2 Samstagmittag:
Im zweiten Training haben wir noch die Sto├čd├Ąmpfer etwas verstellt. Oschersleben hat doch eine Menge Bodenwellen, und die wollen alle sch├Ân glatt geb├╝gelt werden. Auch mit dem Luftdruck in den Reifen haben wir etwas experimentiert.
Das Team Pichler konnte sich noch vor uns schieben, aber immerhin blieb es bei der ersten Startreihe. Au├čer Sprit messen und nachf├╝llen hatten wir nicht mehr zu tun. Mit etwas Ruhe erwarteten wir den Supersprint der als Qualirennen gewertet wurde.
Es ging hierbei nicht um Punkte f├╝r die Meisterschaft.

Supersprint 5 Runden Samstagabend:
Die Supersprintrennen werden mit umgedrehter Startaufstellung gefahren. Da das Team Pichler/Pichler aus ├ľsterreich auf den Start verzichteten, standen wir auf Position 25 von 26 zu startenden Teams. Ist ganz sch├Ân voll vor einem.
Wir hielten uns im Gegensatz zu den Trainingsschnellsten Ducouret/Hermann, die wohl 20 Teams links au├čen ├╝bers Gras ├╝berholten, zur├╝ck.
In der ersten langen Rechtskurve konnten wir dann 5-6 Gespanne au├čenherum ├╝berholen.
So ging es dann in der ersten Runde munter weiter. Unsere Hauptgegner des letzten Jahres, Currie/Biggs aus England, mussten als Gaststarter von Position 10 ins Rennen gehen.
Sie standen also 6 Startreihen vor uns. Da wir etwa denselben Speed haben, (im Training haben wir sie erstmals hinter uns gelassen) konnten wir sie in dem nur 5 Runden dauernden Rennen nicht mehr einholen. Wir sahen sie zwar am Ende der Geraden mit Ducouret/Herman, die das Rennen gewannen, aber an ein n├Ąher kommen war nicht zu denken.
Es ging ja auch nicht um Punkte sondern es war f├╝r uns ein reines Spa├črennen, und Spa├č hat es gemacht.
Nach dem Rennen hatte Veranstalter Bohnhorts etwas ganz Besonderes geplant: Alle anwesenden Renngepanne, (├╝ber 100) versammelten sich auf der Start- und Zielgeraden von Oschersleben zum gemeinsamen Foto. Unvergesslich.
Es sollte wohl f├╝r den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde langen.
Im Verlauf des Samstag Abend besuchten wir die Halle am Hotel wo Bohni tolle Rennfilme zeigte ( 1982 GP von Br├╝nn mit mir als junger d├╝rrer Beifahrer bei Egon Schons im Boot) Au├čerdem wurden interessante Interviews der Anwesenden Renngr├Â├čen gemacht. Das eine oder andere lockere Gespr├Ąch fand in dieser netten Atmosph├Ąre nat├╝rlich auch statt.

Spring Sonntagmorgen 7 Runden:
F├╝r den ersten Punktelauf des Wochenendes starteten wir aus der ersten Reihe links.
Die beiden F1 Gespanne Ducouret/Hermann (Meisterschaftsf├╝hrender zu diesem Zeitpunkt) und die ├ľsterreicher Pichler/Pichler sprinteten uns locker bis zur ersten Kurve aus.
Im letzten Moment dr├Ąngte sich auch noch unser englischen Freunde Currie/Biggs vorbei.
Im Training haben Andy und ich schon festgestellt, dass wenn Andy in der langen Rechtskurve noch weiter nach vorne kommt, diese Kurve unheimlich schnell geht. Ich sp├╝rte Andi schon neben mir Druck aufbauen und gab extrem fr├╝h Gas.
Deutlich fr├╝her wie Currie und so konnten wir uns bis zur Hasser├Âder Kurve links an den Briten vorbeischieben. F├╝r die Linkkurve waren wir innen und damit vorbei.
Wir machten uns sofort auf die Verfolgung von Pichler/Pichler die uns in allen Kurven aufhielten. An ein ├ťberholen war aber nicht zu denken, daf├╝r hat ihr 1000ccm Motor zuviel Druck. Also nutzen wir den Windschatten und lie├čen sie auf etwa 2 Sekunden ziehen.
Konni signalisierte uns mit der Boxentafel einen 1-2 Sekunden Vorsprung auf Currie.
Das langte mir. Nach etwa 3 Runden riss bei Pichler die Antriebskette, verletzte beim Ausrollen aus dem Fahrwerk sogar noch den Beifahrer an der Rippe so nachhaltig, das er f├╝r das Hauptrennen ausgewechselt werden musste. Wir fuhren den zweiten Platz kontrolliert nach Hause, auch wenn ich in den letzten zwei Runden dicke Arme bekam.
Trotzdem war die f├╝nfte und letzte Runde unsere Schnellste des Rennens. Wie doch Gef├╝hle t├Ąuschen k├Ânnen. 20 Punkte in der Gesamtwertung, f├╝r die Trophy 600 Wertung gab es volle Punkte. Ein weiters mal die ÔÇ×wei├če WesteÔÇť behalten.
Nach dem Rennen der kurze Check, Tanken und Kr├Ąfte sammeln f├╝r das Hauptrennen.
Sch├Ân war der Besuch von Andys Eltern auf dem Rennplatz. Ich glaube sie k├Ânnen m├Ąchtig stolz sein auf ihren ÔÇ×JungenÔÇť. Ich bin jedenfalls froh den Besten der Zunft im Boot zu haben.

Zwischen den beiden Rennl├Ąufen machten wir f├╝r das MDR Fernsehaufnahmen. Sie brachten am Sonntagabend zur besten Sendezeit einen Bericht ├╝ber die Veranstaltung und unser Team. Im Laufe des Interviews in unserem Zelt erl├Ąuterten wir den Zuschauern die Eigen- und Besonderheiten des Gespannrennens, angefangen vom Poschleifern an Andys Lederkombi, bis zu meiner knienden Sitzposition. Den Sponsoren unseres Teams sollte der ├Âffentliche Auftritt gefallen haben. Der Link zum Fernsehbericht hier eine News vorher.

Rennen Sonntagnachmittag 12 Runden:
Der Start verlief gleich wie beim Sprint. Vorne die zwei F1 Gespanne, am Anbremspunkt zw├Ąngt sich Currie/Biggs vorbei. Ich versuchte dasselbe Man├Âver wie ein paar Stunden zuvor, doch Currie roch den Braten, und schmiss mir links die T├╝r zu.
In den folgenden Kurven sah ich mir die Fahrweise des Engl├Ąnders an. Er rutschte wie wild auf der Strasse herum, war in jeder Kurve quer. Ich dachte mir, er sp├╝rt meinen Atem.
Ich habe ihm zwischen den Rennen erz├Ąhlt, dass ich nur technisch aufger├╝stet habe um ihn dieses Jahr zu schlagen.
Jedenfalls fuhr ich bewusst reifenschonend und wartete ab, was da noch kommt.
An ein Ranfahren oder gar ├ťberholen von Pichler, jetzt mit Manfred Wechselberger, genannt Jeti, im Boot, war eh nicht mehr zu denken.
Als nach 6 oder 7 Runden die ├ťberrundungen losgingen hatte es Currie besonders eilig. Dabei kollidierte er mit dem zu ├ťberrundeten und landete nach dieser Aktion im Kiesbett am Ende der Gegengeraden. Ich konnte mir ein Grinsen beim Vorbeifahren nicht verkneifen.
Eine Runde Sp├Ąter rollte der F├╝hrende Ducouret mit gebrochener Lenkung aus. Wir waren erneut Zweite und gaben diesen Platz bis ins Ziel nicht mehr ab.
Auf die Drittplazierten hatten wir im Ziel 20 Sekunden Abstand.
Dadurch dass der Meisterschaftsf├╝hrende Ducouret/Herman in diesem Rennen punktelos blieb, haben wir gemeinsam mit ihm die Meisterschaftsf├╝hrung mit 220 Punkten inne.
Wie sagt ein englisches Sprichwort: You have to finish first, to finish first.
Die Zuverl├Ąssigkeit unseres Gespannes hat uns in die Situation gebracht auch wieder um die Gesamtmeisterschaft zu k├Ąmpfen. Bei der internen Trophy 600 Wertung k├Ânnten wir schon beim n├Ąchsten Rennen in Hockenheim Ende August den Sack zumachen.
Wir arbeiten dran.
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